Suchttherapeutin Christina de Buhr

Christina de Buhr

Dipl.Rehabilitationspädagogin/Suchttherapeutin

Mitarbeiterin im Chamäleon Stralsund e.V.

 christina.debuhr@chamaeleon-stralsund.de

 

 Als ich 2009 beim Chamäleon e.V. zu arbeiten begann...

...sehnte ich mich zurück an eine Küste und wollte wieder in die Basisarbeit mit jungen Menschen einsteigen. 

Nach meinem Studium zur Dipl.-Rehabilitationspädagogin an der Humboldt Universität zu Berlin zog ich aufs Dorf, leitete ich vier Jahre lang die Ausbildung von Outdoor-Trainern bei einem großen erlebnispädagogischen Verein, führte selbst Teamtrainings für Auszubildende und Führungskräfte durch und absolvierte eine Ausbildung zur Hochseilgartentrainerin. Die Möglichkeit Anfang 2009 für sechs Wochen in Kapstadt und Umgebung bei einer Partnerorganisation zu arbeiten und vermehrt wieder mit benachteiligten Jugendlichen zu arbeiten sowie die insgesamt angespannte Situation in der Wirtschaft, unterstützten meinen Wunsch, wieder mehr Basisarbeit leisten zu wollen.

Und was soll ich sagen? Hier bin ich!

Nach einem turbulenten Start – am Wochenende noch Teamtraining, Montag Umzug und Dienstag erster Arbeitstag – begann ich im September 2009 im Gruppendienst der suchttherapeutischen Jugendhilfeeinrichtung TWIST. Kurze Zeit später fiel dann schon die Entscheidung für eine berufsbegleitende Zusatzausbildung zur Suchttherapeutin – tiefenpsychologisch fundiert. Ende 2011 habe ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und „tingel“ nun durch alle unsere Einrichtungen. Der Erlebnispädagogik habe ich dabei jedoch nie so ganz den Rücken zugekehrt und so kann die eine oder andere Therapiestunde auch einmal zu einem „echten“ Erlebnis werden. 

 

 Für welche Klienten bietet sich Deine Suchttherapie an?

Alle Klienten, die ein Mindestmaß an Teilnahmebereitschaft mitbringen und entweder suchtmittelabhängig oder im weitesten Sinne suchtgefährdet sind, können an der Suchttherapie teilnehmen.

Es wird versucht, mit vielen kreativen Methoden den verbalen Schwerpunkt der Therapie zu ergänzen, so dass auch Klienten, die sich mit dem verbalen Ausdruck schwertun, an der Therapie teilnehmen können.

Was waren die Inhalte Deiner suchttherapeutischen Ausbildung?

Meine suchttherapeutische Ausbildung war tiefenpsychologisch fundiert.

Bei diesem Ansatz wird u.a. davon ausgegangen, dass die Suchtmittelabhängigkeit Ausdruck einer grundlegenden Störung der Beziehung zu sich selbst, zu Anderen und zu der Umwelt ist. Es handelt sich in den meisten Fällen um lebensgeschichtlich entstandene Muster.

Aufgrund von unzulänglichen Beziehungsangeboten und/oder traumatischen Erfahrungen, sind die Betroffenen meist nicht in der Lage, ihr Erlebens und Verhalten situationsadäquat zu steuern. Gefühle können meist nur schwer differenziert werden und bekommen häufig einen beängstigenden Charakter. Da Beziehungen untrennbar mit Gefühlen verbunden sind, sind sie nur bedingt kontrollierbar. Die Hinwendung zum Suchtmittel wird oft zunächst als Entlastung wahrgenommen und ist grundsätzlich als ein Selbstheilungsversuch anzusehen.

Ein großer Teil meiner Ausbildung beinhaltete, neben dem Verstehen und Anwenden theoretischer Hintergründe, das Reflektieren sowie Verstehen eigener neurotischer und struktureller Konflikte. Die mit diesen Konflikten verbundenen Gefühle sollten bewusst erlebt und benannt werden. Innerhalb der Selbsterfahrung wurden u.a. zentrale Themen wie nutzlose Freiheit, Sinnlosigkeit, Endlichkeit, Trotz und Individualisierung, Söhnlichkeit und Töchterlichkeit, Wut, Ekel u.a. in den Blick genommen.

Intrapsychische und interpersonelle Konflikte wurden innerhalb der Ausbildungsgruppe erlebbar.

Durch Supervisionen, Fallseminare sowie Selbsterfahrungen wurde die Erlebenswelt von Klienten, deren Störungsanteile sowie deren Ressourcen nachempfindbar.

Das praktische Durchführen verschiedener Methoden sowie regelmäßige Psychodramaspiele befähigen mich heute, theoretisch fundiert, kreative Methoden anzuwenden und in meine Arbeit einfließen zu lassen.

Ausbildung bei Die Brücke/thema zur Suchttherapeutin – TF

(psychotherapeutische Zusatzqualifikation auf den Grundlagen der „Empfehlungsvereinbarung Abhängigkeitserkrankungen“ des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger vom 04.05.2001 für Einzel- und Gruppentherapeuten)

Was ist dein persönlicher Schwerpunkt in der Suchttherapie im Chamäleon Stralsund e.V.?

Auf der Grundlage meiner Ausbildung bin ich der Überzeugung, dass das, was heilt, das Erleben von Beziehung ist. Dies bedeutet, dass in erster Linie ich selbst als Person so authentisch wie möglich auf die Klienten zugehe, ihnen durch mein Handeln deutlich mache, dass ich z.B. bei Konflikten, Sprachlosigkeit etc. nicht weg laufe, dass ich sie nicht erneut zurückweise und dass sie Angst, Wut, Trauer etc. äußern können, ohne dass eine Katastrophe eintritt. Ich versuche, mich selbst als Person ihnen zur Verfügung zu stellen.

Um insgesamt die Situation, Gefühle und Beziehungsangebote zu entdramatisieren, versuche ich vor allem über das Schaffen von Erlebnissen unter Einbeziehung der Sinne, die Klienten zu aktivieren. Ich versuche, sie aus ihrer Passivität heraus zu holen und sie in ihrem Verständnis der Selbstverantwortung zu unterstützen.

Zusammenfassend könnte ich sagen, dass ich tiefenpsychologisch fundiert versuche, den Ansatz der Erlebnispädagogik „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ innerhalb der Therapie anzuwenden. Die Angebote erscheinen dem Einen oder der Anderen manchmal „ver-rückt“, aber um Veränderungen zu erreichen, müssen Dinge auch manchmal etwas verrückt werden.

Welche Angebote bietest Du neben der Suchttherapie noch an?

Da ich neben der Ausbildung zur Suchttherapeutin sowohl eine Ausbildung zur Erlebnispädagogin als auch zur Outdoor-Trainerin habe, versuche ich dieses vor allem innerhalb Projekte aber auch in meiner alltägliche Arbeit einzubringen.

Ein Satz zum Schluss von Dir...

- „Komm, lass dir aus dem Wasser helfen, sonst ertrinkst du“ sagte der freundliche Affe und setze den Fisch sicher auf den Baum-

Dass ich nicht wie der Affe werde, auch zukünftig individuell mit jedem einzelnen Klienten arbeiten kann und wir gemeinsam alternative Wege gehen, das wünsche ich mir.

Wie wäre es mit einem Aquarium im Baum?

Christina de Buhr


Sie sind hier: Therapie |Suchttherapie |de Buhr, Christina