Die Ostsee-Zeitung Stralsund berichtet am 19. März 2018

Marita Gronau
CARÓ
Jen
OZ Bild: Christian Rödel
Kelvin Kalvus
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Sammy Tavalis
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Freie Schwestern Duisburg
OZ Bild: Christian Rödel

Emotionale Benefiz-Gala in der Brauerei-Für die Arbeit des Chamäleon-Vereins in Stralsund kamen am Sonnabend über 10.000 € zusammen

Alle Ehre machte die 23. Benefizgala ihrer diesjährigen thematischen Überschrift „Lichtblicke“ und bot am Samstagabend bunte, kurzweilige und hoch emotionale Unterhaltung in der Alten Brauerei.

Der Blick wurde nur zum Anfang der Gala, die alljährlich zur finanziellen Unterstützung des Stralsunder Chamäleon-Vereins organisiert wird, bei einigen Gästen getrübt, als verkündet werden musste, dass die beliebte TV-Moderatorin Victoria Herrman aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen musste.

Doch die Blicke hellten sich wieder auf, als plötzlich die Hannoveraner Travestie-Glamour-Lady Glenn Gold auf die Bühne stöckelte und die Moderation übernahm. Mit frivolen und zweideutigen Bemerkungen, so wie es das Publikum von einer Entertainerin ihres Kalibers erwartete, ging sie in die Vollen. Die Anspielungen auf ausgefallenen Sex zwischen längjährigen Ehepartnern hatten einen doppelten Boden. Wer erwartete, dass nun etwa ganz besondere Liebestechniken verraten werden würden, wurde enttäuscht. Die Auflösung des Sexgeheimnissses lautete: Am Montag fällt der Liebesverkehr aus, am Dienstag ebenso wie auch am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und so weiter und so fort. 

Das nächste Zwerchfell-Attentat übernahm der umwerfend komische Verwandlungskünstler Sammy Tavalis. Er bot Slapstick vom Feinsten. Wie der gelenkige, eher klein gewachsene Mann sich bewegte, war einfach grandios und sein trockener Humor sowieso. Aus einem bunten Luftballon und einigen Bändern baute sich der Comedian in wenigen Minuten einen Kontrabass, der optisch zwar nicht an an dieses Instrument erinnerte, aber durchaus so klang. 

 Mystisch und spirituell wurde es bei der Performance des Dresdener Kontaktjonglage-Künstlers Kalvin Kalvus. Der seit 2016 als Guiness-Weltrekordhalter mit diversen Kugeln geltende Sachse faszinierte mit außergewöhnlichen Jonglage-Kunst.

Den Auftritt der langjährigen Benefiz-Gala Organisatorin und Songwriterin Caro kündigte Glenn Gold mal ganz ohne Schabernack an und würdigte das uneigennützige Engagement der gebürtigen Stralsunder Liedermacherin, die bereits im Vorfeld der Charity-Veranstaltung die Fäden zum Gelingen des Events zieht. Mit einem Live-Auftritt wartete Caro natürlich auch wieder in diesem Jahr auf. Das ist Kür und Pflicht zugleich, wenn Caro in ihrer einstigen Heimat auftritt. 

Ein musikalischer Hochgeschwindigkeitszug der Extraklasse namens „Freie Schwestern Duisburg“ raste wenig später aus dem Ruhrgebiet in das Kühlschiff der Alten Brauerei ein, und zehn als Nonnen verkleidete Frauen sangen unter Volldampf diverse Songs aus dem US-Streifen „Sister Act“ oder persiflierten Gospel-Gesänge, ohne diese jedoch zu verhunzen. Das aberwitzige Konvent führte „Oberin“ Andrea Raskopf mit frecher Ruhrpott-Schnauze an und spielte mit dem Publikum, dass es eine helle Freude war.

Etwas ernsthafter wurde es nach der Pause auf der Bühne, als Chamäleon-Geschäftsführerin Maren Bittner noch einmal die unterschiedlichen Präventions- und Therapiemöglichkeiten aus dem Angebotsspektrum des Vereins vorstellte. In diesem Jahr stehen weniger Fördermittel zur Verfügung. Vielleicht war dieser schwer wiegende Fakt auch ausschlaggebend, dass es einen neuen Spendenrekord bei der 23. Benefiz-Gala gab: Allein durch den Verkauf der Eintrittskarten konnten 7000 Euro eingenommen werden.

Der Erlös aus der Tombola spülte gut 2500 Euro in die Vereinskasse. Zum Knüller des Abends avancierte eine dreitägige, von der Bundeskanzlerin Angela Merkel gestiftete Reise nach Berlin – mit Besuch des Reichstages und des Kanzleramtes, inklusive einer kurzen Begrüßung durch die Regierungschefin. Auf sage und schreibe 1000 Euro wurde der Preis in die Höhe getrieben bei der Versteigerung. 

Die Summe von 10 500 Euro kann der Verein zurzeit sehr gut gebrauchen, um seine Arbeit weiter aufrecht zu erhalten.Dass diese Arbeit wichtig ist, bewies eine Bewohnerin aus einer Therapieeinrichtung des Vereins mit ihrem Auftritt. Die 20-jährige Jennifer sang zur Gitarre hoch emotionale Lieder, die unschwer erahnen ließen, was diese junge Frau an problematischen Momenten schon durchlebt haben muss. OZ -

Fotos: Christian Rödel


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